Die Schwerbehindertenvertretung fördert Menschen mit Handicap im Betrieb, integriert sie und setzt sich für ihre Bedürfnisse ein. Zu den Aufgaben zählen unter anderem, zu kontrollieren, dass geltende Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge sowie etwaige Betriebsvereinbarungen im Sinne der Mitarbeitenden eingehalten werden. Die Schwerbehindertenvertretung beantragt außerdem Maßnahmen für schwerbehinderte Beschäftigte, nimmt Anregungen und Beschwerden entgegen und vermittelt zwischen Betroffenen und den Arbeitgeber:innen über diese. Darüber hinaus ist die SBV auch die erste Anlaufstelle und Vertrauensperson der Schwerbehinderten, hört ihnen zu und ergreift auch eigenständig Initiativen.

Dies war auch der Fall bei Stefan Laudwein und Manfred Stüber: Beide sind Anlagenbediener bei thyssenkrupp Bilstein in Mandern und gehörlos. Vor allem bei Betriebs- oder SBV-Versammlungen konnten die beiden Mitarbeitenden daher nichts oder kaum etwas verstehen. Auf Initiative der SBV und des Betriebsrates wurde ein Gebärdendolmetscher engagiert, der die Inhalte nun für die beiden Gehörlosen übersetzt. So können sie an den wichtigen Versammlungen teilhaben und sich aktiv einbringen. Stefan Laudwein und Manfred Stüber freuen sich sehr über die Maßnahme zur Inklusion: „So bekommen wir endlich auch mit, was in der Firma so passiert“.

Für Angelika Gasiorowski ist jeder Weg ein enormer Kraftakt. Die Anlagenbedienerin hat eine Gehbehinderung durch eine Muskel- und Skeletterkrankung, sodass sie sich nur sehr langsam im Stoßdämpferwerk in Mandern fortbewegen kann. In Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt hat die Schwerbehindertenvertretung ihren Arbeitsplatz in Mandern so umgebaut, dass Angelika Gasiorowski mit weniger Kraftaufwand weiter ihrer Beschäftigung nachgehen kann. Zusätzlich wird sie jeden Morgen von einem Taxi abgeholt, welches sie mit einer Sondergenehmigung im Werk bis zu ihrem Arbeitsplatz bringen darf. Für die restlichen Wege auf dem Werksgelände hat die SBV außerdem einen Rollator beschafft. Angelika Gasiorowski sagt zu den Maßnahmen der SBV: „Nach dem Umbau des Arbeitsplatzes ist ein Arbeiten für mich wieder möglich“.

Christoph Aatz ist Methodenplaner bei thyssenkrupp Automotive Body Solutions in Lockweiler und lebt mit einer neurodegenerativen Erkrankung, die mit Defiziten bei der Konzentration und Auffassungsgabe, sowie Müdigkeit ab der Mittags-/Nachmittagszeit einher geht. Christoph Aatz übernimmt daher nur kleinere Projekte und die Zuarbeit in größeren Projekten. Die SBV hat durch die Zusammenarbeit mit dem Integrationsamt von der Möglichkeit der Nutzung des Beschäftigungssicherungszuschuss (BSZ) erfahren. In einem gemeinsamen Termin mit dem Integrationsamt und dem Integrationsfachdienst vor Ort am Standort wurde geprüft, ob die Arbeitssituation von Christoph Aatz mit anderen Maßnahmen verbessert werden kann. Da weder technische noch organisatorische Maßnahmen gefunden wurden, hat das Amt dem Antrag auf BSZ zugestimmt. Der Methodenplaner kann nun durch den Einsatz der SBV Pausen machen, wenn er sie benötigt, ohne Entgeltverluste befürchten zu müssen. Diese Pausen werden über den Beschäftigungssicherungszuschuss vom Integrationsamt bezahlt, sodass auch für das Unternehmen kein Nachteil entsteht. Christoph Aatz: „Die Maßnahme hilft mir in meinen Arbeitsalltag enorm und wirkt sich auch positiv auf meinem privates Umfeld aus.“

Doch nicht nur ausgelernte Mitarbeitende können auf die Unterstützung durch die Schwerbehindertenvertretung zählen: Dennis Leid hat eine Hörschädigung, die es ihm erschwert Menschen zu verstehen, wenn sie zum Beispiel zu schnell oder leise sprechen. Wenn darauf geachtet wird, dass keine Wörter verschluckt werden und eine gute Körpersprache und Gestik das Sprechen unterstützen, funktioniert die Kommunikation jedoch sehr gut. Im September 2022 hat er als erster Auszubildender mit einer Schwerbehinderung bei thyssenkrupp Automotive Body Solutions in Lockweiler angefangen. Die SBV beriet den Ausbilder in einem vertraulichen Gespräch über die Möglichkeit einer Einstellung von Dennis Leid und was im Umgang mit Hörgeschädigten beachtet werden muss. So kann Dennis Leid bei thyssenkrupp ohne Einschränkung eine qualifizierte Ausbildung genießen. Dennis Leid fühlt sich beim Karosseriebauer in Lockweiler bestens integriert: „Ich finde, dass ich genauso behandelt werde wie alle anderen Mitarbeiter, da es sehr oft recht laut in der Halle ist, versteht man sich meist sowieso schlecht untereinander und spricht daher recht laut, weshalb ich damit nur geringe Schwierigkeiten habe, falls doch frage ich einfach noch einmal nach.“

Heimo Linnemann fing vor 14 Jahren ohne Einschränkungen bei thyssenkrupp im Lenkungswerk in Schönebeck an. Als er nach 10 Jahren im Betrieb durch eine Rückenmarkserkrankung plötzlich auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen ist, stellten Fahrstühle und Türen ganz neue Herausforderungen für ihn dar. Durch die Unterstützung der SBV und des Betriebsrats wurde sein Arbeitsplatz für ihn rollstuhlgerecht umgebaut: Von einem eigenen Carport für sein behindertengerecht ausgebautes Fahrzeug über Rampen und automatisch-öffnende Türen bis hin zu barrierefreien Toiletten – alle Möglichkeiten der Unterstützung wurden hier ergriffen. Auch durch diese Erfahrungen hat sich Heimo Linnemann selbst leidenschaftlich in der SBV engagiert. Für ihn hilft Integration, ob von Schwerbehinderten, älteren Mitarbeitenden oder von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, Wissen im Unternehmen zu halten und neues Knowhow aufzubauen. Auch nach Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand bleibt Heimo Lindemann Teil von thyssenkrupp: Er wird als Senior Expert weiterhin für einzelne Projekte eingesetzt und kann so sein Wissen an die nächste Generation weitergeben.

Für thyssenkrupp und die Schwerbehindertenvertretung stellt die Betriebszugehörigkeit keine Hürde für die Unterstützung dar: Sebastian Olbinski arbeitete für ein Partnerunternehmen im Logistikbereich von thyssenkrupp Dynamic Components im Werk Ilsenburg, als er sich beim Einsteigen in einen Gabelstapler eine lebensbedrohliche Kopfverletzung zuzog. Er kämpfte sich nach Krankenhausaufenthalten und Reha zurück ins Leben. Bei seinem ursprünglichen Arbeitgeber gab es für Sebastian Olbinski keine beruflichen Perspektiven mehr. Daraufhin stellte thyssenkrupp Sebastian Olbinski unbefristet im Antriebskomponentenwerk in Ilsenburg ein, wo er auch seine berufliche Wiedereingliederung durchlief. Dank eines großartigen Teams und der Unterstützung der SBV kann Sebastian Olbinski nun an seinem mit Fördermitteln neu geschaffenem Arbeitsplatz mit einem individuell für ihn abgestimmtem Pausenmanagement wieder selbstbestimmt am Arbeitsleben teilnehmen. Von seinen Kolleginnen und Kollegen wird Sebastian Olbinski als vollwertiges Teammitglied wahrgenommen und wertgeschätzt.

Diese Beispiele zeigen wie kleine Maßnahmen den Arbeitsalltag von Menschen mit Behinderung bei thyssenkrupp erleichtern und so Inklusion und Vielfalt fördern können. Die Schwerbehindertenvertretung unterstützt dabei Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen gleichermaßen, um für jede Situation die passende Lösung zu finden. Dabei können auch immer wieder externe Fördermaßnahmen und -mittel genutzt werden. Denn gemeinsam kann man bekanntlich alles schaffen. Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizäcker sagte einmal: „Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann.“ Im Fall der Fälle kann man sich dann glücklich schätzen, eine engagierte SBV an seiner Seite zu haben.

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