Frau Sasse, Sie vertreten Menschen mit einer Behinderung. Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Sasse: Ich bin nicht nur Schwerbehindertenvertreterin an meinem Standort, sondern auch die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen der Automotive Technology und die erste Stellvertreterin der Konzernschwerbehindertenvertretung der thyssenkrupp AG.

Am Standort kümmere ich mich um alle Belange der schwerbehinderten sowie ihnen gleichgestellten Menschen und stehe dem Arbeitgeber beratend zur Seite. Konkret heißt das: Ich helfe bei Anträgen, bei der Beantragung von Fördermitteln und bin Ansprechpartnerin für die zuständigen Ämter. Dabei begleite ich Mitarbeitende auch mal zu Terminen. Gemeinsam mit der Personalabteilung gibt es außerdem einen monatlichen Termin für Langzeiterkrankte, bei dem wir den Start nach der Genesung vorbereiten. Ich begleite das Verfahren des Betrieblichen Eingliederungsmanagements und tausche mich häufig mit dem Betriebsrat aus. So behalte ich einen guten Überblick über alle Belange.

Darüber hinaus arbeite ich eng mit meinem Arbeitgeber zusammen, um das Thema Inklusion weiter voranzutreiben. Gemeinsam mit unserem Personalchef habe ich kürzlich die beschützende Werkstatt besucht, an die wir Aufträge vergeben und von der uns seit Februar ein Praktikant in verschiedenen Abteilungen unterstützt. Außerdem haben wir uns im Juni 2023 zum ersten Mal am DUOday beteiligt. Manchmal bin ich aber auch einfach nur Kummerkasten: Ich nehme Ängste, Zweifel und andere Sorgen auf und versuche, im persönlichen Gespräch zu helfen.

Vor allem die standortübergreifenden Aufgaben benötigen Flexibilität. Ohne die Unterstützung und das offene Ohr meines Arbeitgebers, meiner Kolleginnen und Kollegen wäre das nicht möglich.

Was motiviert Sie, sich genau diesen Aufgaben zu widmen?

Sasse: Wer im Arbeitsleben schwer erkrankt, hat große Zukunfts- und Existenzängste. Man muss sich das einmal vorstellen: In einem Moment ist man noch gesund und Teil der Leistungsgesellschaft und im nächsten Moment gehört man zu den vermeintlich Leistungseingeschränkten. In diese Situation kann jede und jeder von uns kommen. Und das motiviert mich jeden Tag: Ich zeige, dass niemand leistungseingeschränkt ist. Denn jeder hat Fähigkeiten, die er oder sie einbringen kann.

Wo sehen Sie und die Menschen, mit denen Sie arbeiten, noch Entwicklungspotenzial bei der Inklusionsarbeit bei thyssenkrupp?

Sasse: Wir suchen oft nur die Besten – mit hohem Schulabschluss, flexibel und leistungsbereit. Ich bin der Meinung, dass wir auch in Förderschulen und Werkstätten nach Mitarbeitenden suchen sollten. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung, so dass jeder sein Talent und seine Fähigkeiten effektiv einbringen kann. Hier kann thyssenkrupp noch besser werden.

Zum Abschluss: Was ist der Vorteil diverser Teams?

Sasse: In vielfältigen Teams kann jede Person von den Erfahrungen der Anderen lernen und den eigenen Horizont erweitern. Die Sichtweise einmal ändern, das kann einen auf ganz andere Ideen bringen. Ich bin mir sicher: Barrieren entstehen nur im Kopf und können im gegenseitigen Miteinander abgebaut werden. Diversität, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung – das ist für mich thyssenkrupp.

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