Kann ein Theaterstück dazu beitragen, dass in einem Unternehmen weniger Unfälle passieren? Ja, wenn es zum Beispiel Führungskräfte dazu motiviert, die Arbeitssicherheit für ihre Mitarbeitenden zu erhöhen. So geschehen Anfang des Jahres bei der Business Unit Packaging Steel. Zur Aufführung kam das Stück „ErnstFall“ über einen überlasteten Vorgesetzten, der den Versuchungen der verführerischen „Pro Forma“ erliegt und Opfer des diabolischen „ErnstFall“ wird. Im Publikum: knapp 400 Führungskräfte und OSH-Verantwortliche der BU, die hochwertigen Verpackungsstahl herstellt.

Das Theaterstück bildete im Januar den Auftakt zu einer ganz besonderen Kampagne für Arbeitssicherheit und Unfallschutz: „OSH-Jahr 2023 – Unser Jahr für Sicherheit und Gesundheit“. Der Kern der noch laufenden Kampagne besteht darin, dass alle Führungskräfte in diesem Jahr mindestens drei Workshops mit ihren Teams zu OSH-Themen durchführen. Ziel ist es, „die Sicherheits- und Gesundheitskultur durch Förderung von proaktiven Denk- und Verhaltensweisen“ weiterzuentwickeln. Mit der Kampagne reagiert Packaging Steel auf steigende Unfallzahlen, die oft auf nicht-sicherheitsgerechte Verhaltensweisen durch fehlendes Gefahrenbewusstsein zurückzuführen sind. Deshalb stehen auch Maßnahmen im Mittelpunkt, die auf eine Verhaltensänderung abzielen und bei den Mitarbeitenden das Bewusstsein für Risiken am Arbeitsplatz schärfen.

Erste aus den Workshops resultierende Maßnahmen befinden sich schon in der Umsetzung. So werden in den betrieblichen Medien in regelmäßigen Abständen Beiträge über verhaltensbasierte Risikofaktoren veröffentlicht, um das Thema OSH weiter zu vertiefen. EVA-Lerngänge sollen dazu beitragen, die verhaltensabhängige Arbeitssicherheit zu verbessern.

Mit der Kampagne hat die Business Unit den ersten Platz beim we care Award 2023 erreicht. Der Preis wurde in diesem Jahr bereits zum achten Mal verliehen.

Der we care Award zielt darauf ab, die Sicherheits- und Gesundheitskultur bei thyssenkrupp stetig zu verbessern. Teams aus 16 Ländern hatten diesmal insgesamt 40 Bewerbungen an die Jury geschickt.

Der zweite Platz ging an Materials Services für „RiskBuster@MX“. Das Projekt befasst sich mit den wesentlichen Unfallschwerpunkten in dem Segment. Dazu zählen Unfälle mit Gabelstaplern und schwebenden Lasten sowie Verletzungen der Hände und Arme. Diese Unfallschwerpunkte wurden visualisiert und dadurch für Mitarbeitende und Führungskräfte greifbarer gemacht. Es entstanden drei Videos, die sowohl von zuhause aus als auch in den Niederlassungen vor Ort als Schulungsmaterial abgerufen werden können. Unterstützung erhielt das Projekt von einem ausgebildeten Stuntman, der eine zusätzliche Perspektive in die Thematik einbringen konnte – und in den Videos außerdem den „RiskBuster“ verkörperte. „RiskBuster@MX“ ist als Langzeitintervention konzipiert und wird als Serie weitergeführt. Die Videos stehen auch in Zukunft allen Mitarbeitenden und Führungskräften zur Verfügung und werden in den Daily Safety Talks genutzt.

Den dritten Preis hat die Jury den Kolleg:innen der Business Unit Rothe Erde am Standort in Indien zuerkannt. Sie haben im August 2022 eine EHS Academy mit den Schwerpunkten Environment (Umweltmanagement), Health (Gesundheitsschutz) und Safety (Arbeitssicherheit) gegründet, die die Mitarbeitenden zum Austausch über diese Themen einlädt. Die Akademie befindet sich in einem eigens dafür eingerichteten Raum, der sowohl mit Sicherheitsequipment wie etwa brandbekämpfenden Mitteln als auch mit Trainingsmaterial ausgestattet ist. Das Material umfasst zum Beispiel Informationen über den Brandschutz, über Sicherheitsmaßnahmen beim Heben von Lasten und die sichere Verwendung von Geräten.

Die Jury schreibt, sie habe sich die Entscheidung über die Preisvergabe nicht leicht gemacht. „Uns haben viele tolle Bewerbungen erreicht“, teilt sie mit. „Ein großer Dank geht an alle Kolleg:innen, die jeden Tag Gutes tun, ihre OSH-Kultur nachhaltig zu verbessern.“ Die drei Gewinner können sich über jeweils 7.000 Euro, 5.000 Euro beziehungsweise 3.000 Euro für ein Team-Event freuen.

Dass sich thyssenkrupp – auch dank des we care Awards – im Bereich OSH auf einem guten Weg befindet, zeigen die aktuellen Unfallzahlen. Die Unfallhäufigkeitsrate (UHR), die die Anzahl von Unfällen mit mindestens einem Tag Arbeitsausfall je einer Million Arbeitsstunden angibt, liegt für den Zeitraum Oktober 2022 bis August 2023 bei 2,3. Die UHR ist dabei kontinuierlich von einem Wert von 14,0 im Geschäftsjahr 2007/08 gesunken und hat in den vergangenen sechs Jahren den Wert von 3,0 nicht überschritten.

Aber auch wenn die Entwicklung der Unfallhäufigkeitsrate Anlass zur Freude gibt: Sie bildet nur im Nachhinein ab, was vorher beim Arbeits- und Gesundheitsschutz geleistet werden muss. Die Basis dafür bilde eine Sicherheits- und Gesundheitskultur, „in der Sicherheit und Gesundheit einen hohen Stellenwert genießen, Regeln bestehen und diese befolgt werden, die Mitarbeitenden aufeinander achtgeben und alle Beschäftigten ihr Tun und Handeln danach ausrichten“, wie es im Beitrag zur Verleihung des we care Awards heißt. So eine Kultur ist nicht einfach da, sie muss eingeführt und gepflegt werden.

Und: Die UHR ist selbstverständlich kein Selbstzweck. Jeder verhinderte Unfall schont und schützt das Leben und die Gesundheit einer/eines Mitarbeitenden. Hohe Standards beim Arbeits- und Gesundheitsschutz führen außerdem zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, mit positiven Auswirkungen auf die Motivation und Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass geringe Ausfallzeiten den betrieblichen Abläufen und der Produktivität zugutekommen. Dadurch erhält Arbeits- und Gesundheitsschutz auch eine wirtschaftliche Dimension – die sogar messbar ist. So hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGUV eine Untersuchung vorgelegt, die den sogenannten RoP-Faktor (Return on Prevention) beziffert. Der RoP-Faktor gibt an, wie hoch der Präventionsnutzen einer Arbeitsschutzmaßnahme ist. Laut DGUV beträgt dieser Faktor 2.2. Das heißt: Jeder in Vorsorge investierte Euro bringt betriebswirtschaftlich betrachtet 2,20 Euro ein.

Es gibt also viele gute Gründe, das Thema OSH im Arbeitsalltag aller bei thyssenkrupp Beschäftigten zu verankern und immer wieder auf die Tagesordnung zu heben. Die jährliche Verleihung des we care Awards ist dafür ein besonders schöner Anlass.

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