„Zeitenwende auf dem Arbeitsmarkt – und wir sind mittendrin“ – kürzlich haben wir Ihnen im Magazin einen Einblick in den sich verändernden Arbeitsmarkt gegeben. Für Arbeitgeber wird es von Tag zu Tag schwieriger, gute Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Auch thyssenkrupp bekommt diese Entwicklungen zunehmend zu spüren und stellt sich hier zukunftsfähig auf.

Kathrin Dennler, Head of Corporate Center People, Legal and Compliance bei der thyssenkrupp AG, spricht mit uns über den Wandel am Arbeitsmarkt, was er für uns bei thyssenkrupp bedeutet und wie wir darauf reagieren.

Frau Dennler, die ganze Welt redet vom Fachkräftemangel. Inwieweit betrifft das thyssenkrupp?

Kathrin Dennler: Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren komplett verändert. Wir spüren eine richtige Kehrtwende, hin vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmermarkt. Es sind nicht mehr die potenziellen Mitarbeitenden, die sich bei uns bewerben. Stattdessen sitzen wir auf der Bewerberseite und versuchen, Menschen von uns zu überzeugen.

Wir merken: Fachkräfte fehlen heute schon in nahezu allen Bereichen. Dort, wo es um neue Technologien und Innovationen geht, ist der Schmerz schon länger groß. Wir haben einen Anstieg von 70 % bei unseren offenen IT-Stellen, bei den Ingenieursberufen sind es sogar mehr als 100 %. Gleichzeitig gehen die Bewerbungen massiv nach unten und es gibt Positionen, auf die wir schon jetzt keine Bewerbung mehr bekommen.

Aber es geht längst nicht mehr nur Tech und IT. Die Entwicklung trifft alle Berufsgruppen, auf allen Ebenen einschließlich gewerblicher Tätigkeiten, in all unseren Unternehmen. Jede dritte unserer aktuell rund 2.000 ausgeschriebenen Stellen bleibt zurzeit unbesetzt. Zusätzlich hat Corona die allgemeine Wechselbereitschaft gefördert, was wir auch zu spüren bekommen: Wir haben einen Zuwachs von 40 % bei freiwilligen Austritten weltweit über die letzten beiden Geschäftsjahre.

Das zusammen ist ein enormes Brett und bedeutet Veränderung – sowohl für unsere Personalarbeit, aber auch für die Führungskräfte.

Können Sie uns dazu mehr erzählen?

Kathrin Dennler: Wir arbeiten hart an den Themen. Aber wir müssen ehrlich sein: Viele Wettbewerber kommen aus einer wirtschaftlich stabileren Lage und haben hohe Budgets genutzt, um sich im Recruiting-Umfeld bestmöglich zu positionieren. Wir sehen das zum Beispiel daran, dass aktuell über doppelt so viele Recruiter-Stellen auf dem Markt ausgeschrieben sind wie vor der Pandemie. Eine gute Recruiterin oder einen guten Recruiter zu finden, war noch sie so schwer wie jetzt. Da müssen wir umso besser erklären können, warum es sich lohnt, bei thyssenkrupp anzufangen.

Und: Schnelligkeit ist wichtiger denn je. Morgens Bewerbungsgespräche geführt, in derselben Woche oder sogar am gleichen Tag noch der Vertrag – so sehen wir das bei etlichen Wettbewerbern. Da müssen wir auch hin. Bisher halten wir meinem Eindruck nach noch zu häufig an der Suche nach der perfekten Bewerberin oder dem perfekten Bewerber fest. Bei anderen heißt es hingegen: 70 Prozent reichen auch aus, denn Skilling ist das neue Recruiting. Also: Bewerberinnen und Bewerber, die (noch) nicht auf die Stelle passen, werden gezielt (weiter-)entwickelt.

Wie sind denn unsere Antworten darauf?

Kathrin Dennler: Auch bei uns tut sich viel: Etliche unserer Geschäfte haben ihre Recruiting-Organisationen in den letzten Monaten gestärkt oder sind mit Hochdruck dabei. Und unsere Active Sourcer, sozusagen unsere hauseigenen Headhunter, sind leistungsfähig und gefragter denn je. Und sie sind erfolgreich! Damit können wir uns aktiv um potenzielle Mitarbeitende bewerben und deutlich an Geschwindigkeit zulegen.

Und was wir merken: Grade in Zeiten hochgradiger Technologisierung wird es immer wichtiger, im unmittelbaren Kontakt zu den Bewerber:innen zu stehen. Mit einem persönlichen Gespräch können wir häufig mehr punkten als mit einem durchgestylten Prozess. Im Moment leben wir von Engagement & Herzblut, nicht von digitalen State of the Art Prozessen.

Am Markt zeigt sich aber auch sehr deutlich: Wer wirklich Erfolg bei der Mitarbeitendensuche haben will, muss herausstechen. Da geht es nicht nur um Bezahlung. Heute geht es darum, wie wir miteinander arbeiten – um unsere Kultur. Gute Führung und ein gutes Betriebsklima sind das A und O.

Und genau hier hat thyssenkrupp etwas zu bieten: Unsere Werte, die wir gemeinsam leben. Dazu zählen Verlässlichkeit, Respekt, Fairness und Vertrauen. Aber auch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir passen aufeinander auf bei tk. Zum Beispiel unser Management rund um Gesundheit und Arbeitssicherheit – auch und vor allem während der Corona-Pandemie. All das macht thyssenkrupp aus, das zeigen unsere jährlichen Pulse-Checks deutlich, und damit auch attraktiv für potenzielle Mitarbeitende.

Und: Wir bieten unseren Mitarbeitenden ein gutes Gesamtpaket. Etwa mit unserer Agenda Hybrides Arbeiten. Mit ihr schaffen wir flexiblere Arbeitszeiten – auch in der Produktion mithilfe innovativer Schichtmodelle. Durch solche Ansätze punkten wir zum Beispiel bei Eltern und stärken die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei nehmen wir die Wünsche und Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden im gewerblichen Bereich genauso ernst wie die Arbeitsgestaltung im Büro.

Sie setzen beim Wettbewerb um Mitarbeitende also stark auf unsere Marke?

Kathrin Dennler: Unsere Marke ist weiterhin ein starkes Pfund. Als ich kürzlich eine Bewerberin fragte, warum sie sich bei uns beworben hat, war ihre Antwort: „Einfach, weil es thyssenkrupp ist.“ Aber natürlich ist die Marke thyssenkrupp allein kein Selbstläufer. Wir müssen uns mit den richtigen Botschaften zeigen, damit wir auch als Arbeitgebermarke am Markt erfolgreich sind. Und das tun wir: Unsere Employer-Branding-Kampagne #GENERATIONTK zum Beispiel wurde mitten in der Pandemie gestartet. Und sie kommt gut an, weil sie ehrlich ist. Der Umgang mit unseren Mitarbeitenden in der Corona-Zeit und auch die großen Gesundheits-Kampagnen, zuletzt #bettertogether, haben klare Ausrufezeichen gesetzt und super Feedback von innen und außen bekommen.

Und wir haben eine gute Geschichte zu erzählen. Wo, wenn nicht bei uns, hat man Möglichkeiten, mit einem so großen Hebel die Grüne Transformation voranzutreiben? Dafür haben wir unglaublich viel Kompetenz an Bord, dafür bilden wir aber auch weiter aus und schaffen neue Jobprofile.

Und was konkret können die Mitarbeitenden machen?

Kathrin Dennler: Wir alle sind nicht nur Mitarbeitende, sondern gleichzeitig auch Botschafter für thyssenkrupp. Im Gespräch mit Familie, Freunden und Bekannten neugierig auf unsere Unternehmensgruppe zu machen, führt am Ende vielleicht zu einer Bewerbung. Wir versuchen, dieses Engagement auch unternehmensseitig zu fördern, indem wir Tipps für den LinkedIn-Auftritt anbieten. Einige unserer Unternehmen nutzen außerdem jetzt erfolgreich Mitarbeitenden-Empfehlungsprogramme, nicht nur im Ausbildungsbereich kommt das „Azubis werben Azubis“ sehr gut an.

Wenn Mitarbeitende sich verändern möchten, lohnt ein Blick in unseren JobCompass. Er ist unsere interne Karriereseite, auf der Mitarbeitende alle Informationen rund um einen internen Stellenwechsel finden – und sich auch direkt bewerben können. thyssenkrupp bietet so viele Möglichkeiten, sich weiter zu entwickeln, da muss man gar nicht in die Ferne schweifen.

Und es geht bei alledem nicht nur um Recruiting, sondern mehr denn je auch darum, gute Mitarbeitende bei thyssenkrupp zu halten. Das ist die große Gemeinschaftsaufgabe unserer Führungskräfte und von HR. Ganz nah an den Mitarbeitenden zu sein, zu verstehen, was sie motiviert, darauf kommt es an. Leider kommt es viel zu häufig vor, dass Mitarbeitende erst nach ihrer Kündigung sagen, was Sie zu diesem Schritt bewogen hat. Darum der Appell an alle: Gehen Sie in den Dialog, wenn der Schuh drückt. Auch wenn wir uns beim Speak-up immer noch verbessern können, thyssenkrupp bietet viele Möglichkeiten, kritische Punkte zu adressieren. Dabei helfen neben dem 1:1 Führungsdialog auch Feedbackinstrumente wie unser regelmäßiger Puls-Check. Auch HR und Mitbestimmung können helfen.

Mit dem Blick nach vorne – was ist besonders wichtig?

Kathrin Dennler: Nicht umsonst heißt es: Menschen arbeiten für Menschen. Denn am Ende verlässt man nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Führungskraft. Inspiration und Wertschätzung, die Frage danach, wie sich unsere Mitarbeitenden wohler und leistungsfähiger fühlen, bekommen eine immer größere Bedeutung. New Work, New Leadership – wie wollen wir arbeiten, wie wollen wir führen, wie gehen wir mit völlig anderen Erwartungen junger Menschen an die Arbeitswelt um – das sind Themen, die uns stark beschäftigen.

Und eins ist sicher: Der Arbeitsmarkt wird für uns herausfordernd bleiben. Wir werden neue Technologien verstehen, anwenden und anbieten müssen. Schnelle Anpassung und regelmäßiges Hinterfragen werden unser aller Tagesgeschäft sein.

Frau Dennler, wir danken Ihnen für die spannenden Einblicke in unserem Interview.

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