Wir sind „Die Zukunft des Elektrobands ist grün“
Typisch thyssenkrupp – so sind die Menschen, die hier arbeiten. In einer Serie stellen wir unsere #GENERATIONTK vor. Diesmal: Marcel Hilgers. Hilgers arbeitet bei Electrical Steel daran, einen Markt für CO2-reduziertes Elektroband auf- und auszubauen und damit die Energiewende zu unterstützen.
Worum geht es?
Kornorientiertes Elektroband ist ein wichtiger Bestandteil in Transformatoren, die in Stromnetzen die Spannung regulieren. Die Transformatorenhersteller verwenden dafür immer öfter CO2-reduzierten Stahl von thyssenkrupp Electrical Steel.
Was soll das?
thyssenkrupp ist auf dem Weg, die Stahlproduktion Schritt für Schritt zu dekarbonisieren. Die Stahlsorten der Marke bluemint® powercore® verursachen schon heute um bis zu 50 Prozent weniger CO2-Emissionen.
Was bringt es?
Durch den Ausbau der Stromnetze für die grüne Energiewende steigt die Nachfrage nach Transformatoren und damit nach Elektroband. Mit seinen bluemint®-Produkten kann Electrical Steel dieses Wachstum nicht nur begleiten, sondern auch nachhaltig mitgestalten.
Wenn Marcel Hilgers von einem coolen Produkt spricht, geht es nicht unbedingt um eine Smartwatch oder um eine dieser angesagten Kaffeemaschinen mit eigenem Mahlwerk. Hilgers denkt bei einem coolen Produkt an Stahl, genauer gesagt an eine ganz besondere Legierung aus Eisen und Silizium: Elektroband. Als kornorientierte Variante kommt Elektroband zum Beispiel in Transformatoren vor. Transformatoren werden beispielsweise in den Stromnetzen verbaut, sie dienen zur Spannungsumwandlung. Dort verbinden sie die verschiedenen Spannungsebenen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur reibungslosen Stromversorgung – Elektroband sei Dank. „Es ist eben ein absolut einzigartiges Produkt“, findet Hilgers.
Wundern darf einen Marcel Hilgers Begeisterung fürs Elektroband nicht, er ist Vice President Customers, Markets & Technology bei thyssenkrupp Electrical Steel. Mit Unterbrechungen ist er dem Unternehmen – und dem Werkstoff – seit zwanzig Jahren verbunden. „Wir stellen höchste Qualitäten her“, sagt Hilgers. „Mit unserem kornorientierten Elektroband sind wir Vorreiter in der Branche und bilden das Herzstück der Energiewende“, sagt er. „Unser Produkt mit dem Namen powercore® setzt Maßstäbe, was Effizienz und Nachhaltigkeit angeht.“ Als Bestandteil von Transformatoren spiele Elektroband zudem eine wichtige Rolle bei der Energiewende.
Marcel Hilgers setzt auf möglichst grüne Produktion von Elektroband.
Begonnen hat Hilgers seine Laufbahn bei thyssenkrupp im Segment Materials Services, das war im Jahr 2000. „Ich habe damals im Trading gearbeitet und war weltweit im Handel mit Werkstoffen unterwegs“, erzählt er und ergänzt augenzwinkernd: „Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie ein Pirat auf den Weltmeeren, aber einer von den Guten natürlich.“ 2005 ging er als Key Account Manager zu Electrical Steel, wechselte zwischendurch in die Edelstahl-Sparte und zu einer thyssenkrupp Tochter nach Italien, um 2017 auf seine jetzige Position zurückzukehren. „Ich habe erst gezögert“, berichtet Hilgers. „In meinen Augen brauchte es damals Investitionen, um effizientere Produkte herzustellen, und vor allem eine stärkere Kundenorientierung. Bei der Geschäftsführung habe ich damit offene Türen eingerannt.“ Und aus dem Zögern wurde die Überzeugung, gemeinsam die Herausforderungen meistern zu können.
Vor allem Effizienzsteigerungen sind beim Elektroband ein wichtiges Thema. Es geht darum, die Energieverluste, die beim Umspannvorgang auftreten, zu minimieren. Erzeuger und Verbraucher profitieren gleichermaßen, wenn möglichst viel vom eingespeisten Strom dort ankommt, wo er verbraucht wird. Das spart Ressourcen und Kosten. „Mit kornorientiertem Elektroband von Electrical Steel lässt sich die Energieeffizienz von Transformatoren um bis zu 40 Prozent steigern“, sagt Hilgers. In den Transformatoren kommt dünner Stahl aus kornorientiertem Elektroband zum Einsatz, oft nicht dicker als 0,23 Millimeter. In der Regel gilt: Je dünner das Band und je genauer die hochkomplexe Fertigung, desto effizienter die Spannungsumwandlung.
Kornorientiertes Elektroband wird in Transformatoren eingebaut, wie sie beispielsweise in Umspannwerken zum Einsatz kommen.
„Der Produktionsprozess für kornorientiertes Elektroband ist äußerst komplex“, so Hilgers. In mehreren Arbeitsschritten wird das Blech gewalzt, mehr als eine Woche lang gezielt geglüht und sogar laserbehandelt, damit sich die Eisenkristalle in eine bestimmte Richtung ausrichten. Dadurch erhält das Elektroband eine höhere magnetische Leitfähigkeit, außerdem sind die Ummagnetisierungsverluste beim Einsatz in den Transformatoren deutlich kleiner.
Neben der Effizienz spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. „Für uns ist das schon länger ein wichtiges Thema“, sagt Marcel Hilgers. Von Electrical Steel erzeugtes Elektroband besteht daher immer öfter und zu einem immer größeren Anteil aus bluemint® powercore®, einem CO2-reduzierten Werkstoff. Das Ergebnis: Im Endprodukt können bis zu 50 Prozent weniger CO2-Emissionen bilanziert werden. Die Entwicklung geht sogar hin zu einer CO2-neutralen Stahlproduktion: Steel Europe plant den Bau einer Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg. Damit wird in Zukunft durch Wasserstoff statt durch Kohle reduziertes Roheisen hergestellt.
bluemint® Stahlsorten verursachen etwa 50 Prozent weniger CO2-Emissionen.
Marcel Hilgers ist überzeugt: Grünem Stahl und grünem Elektroband müssen die Zukunft gehören, wenn die Energiewende gelingen soll. „Durch den Netzausbau wird der Markt für Transformatoren und damit für Elektroband in den kommenden Jahren deutlich wachsen.“ Hilgers rechnet mit einem Anstieg des Bedarfes von aktuell vier Millionen Tonnen weltweit pro Jahr auf neun bis zehn Millionen Tonnen. „Und da wäre es doch absurd, wenn in den Übertragungs- und Verteilnetzen, die grünen Strom transportieren sollen, mit grauem Stahl produzierte Transformatoren eingesetzt würden“, sagt Hilgers. So schnell wie möglich, meint er, müsse die Umstellung auf grünes Elektroband bei neuen Transformatoren erfolgen. „Was jetzt bestellt und verbaut wird, bleibt mindestens 40 Jahre im Einsatz.“
Die Botschaft vom CO2-reduzierten Stahl tragen Marcel Hilgers Kolleg:innen in die ganze Welt.
Aufklärungsarbeit sei deshalb notwendig – bei den Netzbetreibern und bei den politischen Entscheidern. „Viele Unternehmen glauben, grüne Produkte seien deutlich teurer als konventionelle“, erzählt Hilgers. „Das trifft aber nicht zu. Nach unseren Berechnungen beträgt der Preisunterschied bei grünen Trafos gerade mal ein bis drei Prozent.“ Hilgers spricht sich dafür aus, einen Leitmarkt für grünen Stahl aufzubauen. Da sei auch die Politik gefragt, meint er. Gemeinsam mit weiteren Unternehmen hat Electrical Steel dazu eine Arbeitsgruppe gegründet – erste Gespräche im Bundeswirtschaftsministerium haben bereits stattgefunden. „Wir sind auf offene Ohren gestoßen und die wichtigsten Akteure im Markt wirken aktiv mit“, berichtet Hilgers.
Marcel Hilgers ist zur Entspannung gern in der Natur unterwegs.
Wie er so leidenschaftlich redet, merkt man: Marcel Hilgers, der privat gerne mit seiner Familie wandert, brennt für das Thema Nachhaltigkeit. Er sagt, seit er Vater ist, stelle sich ihm die Frage danach noch stärker. „Ich habe mir fest vorgenommen, meinen Kindern in zwanzig Jahren nicht sagen zu müssen: ,Wir haben das mit dem Klimaschutz nicht hingekriegt, weil es uns zu kompliziert und zu teuer war?‘ Das kann es doch nicht sein.“